Betreuung in weiterführenden Schulen

Kinder mit Blutungsneigung, die eine weiterführende Schule besuchen, gehen mit ihrer Erkrankung in der Regel eigenständig um. Sie führen die Prophylaxebehandlung – die gängigste Therapie ist die regelmäßige Behandlung mit einem Faktorpräparat – meist selbst durch und können gut einschätzen, was problemlos möglich ist und wo sie etwas vorsichtiger sein sollten.

Trotzdem ist es sinnvoll, als Lehrerin oder Lehrer über die Hintergründe der Erkrankung informiert zu sein. Denn gerade in der Pubertät vergessen Jugendliche mit Hämophilie, die mit einem Gerinnungsfaktor behandelt werden, mitunter eine Injektion und sind dann weniger gut vor Blutungen geschützt. Auch Rangeleien auf dem Schulhof oder Mutproben können oder wollen Kinder mit Hämophilie nicht immer aus dem Weg gehen. Als Lehrerin oder Lehrer müssen Sie dann abwägen, wann Sie die Eltern verständigen und wann eine Situation ohne die Benachrichtigung der Eltern geregelt werden kann.

Bei der Benotung sollte ein Kind mit Hämophilie genauso behandelt werden wie alle anderen Kinder auch. Natürlich müssen Fehlzeiten aufgrund der Erkrankung berücksichtigt und gegebenenfalls anderweitig nachgeholt werden.


Hämophilie – kurz und knapp erklärt

Hämophilie – auch Bluterkrankheit genannt – ist eine erblich bedingte chronische Erkrankung. Wenn sich unbehandelte Menschen mit Hämophilie verletzen, bluten sie länger als gesunde Menschen. Im Blut der Betroffenen ist ein bestimmter Blutgerinnungsfaktor in zu geringer Menge vorhanden. Die Folge: Das Blut gerinnt viel langsamer. Hämophilie ist nicht ansteckend und kann heutzutage gut behandelt werden. Es gibt vor allem bei der Hämophilie A verschiedene Therapieoptionen. Die gängigste Therapie besteht aus regelmäßigen Injektionen mit einem Faktorpräparat („Faktorersatztherapie“). Kinder mit schwerer Hämophilie im Schulalter erhalten diese meistens in Form einer Prophylaxetherapie mit einem festgelegten Injektionsschema.

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Kinder, die eine weiterführende Schule besuchen, haben in der Regel bereits einige Erfahrung im Umgang mit ihrer Erkrankung und können Anzeichen für Blutungen oft selbst erkennen. Sie sollten jedoch auch aufmerksam bleiben. Im Normalfall wird ein Schüler mit schwerer Hämophilie prophylaktisch behandelt. Dann sind Blutungen sehr selten.

Kleine äußere Verletzungen lassen sich in der Regel leicht erkennen und können meist mit einer normalen Wundversorgung behandelt werden. Bei schwerwiegenderen Blutungen, z. B. durch einen Sturz, sollte der Schüler so schnell wie möglich behandelt und die Eltern informiert werden. Ggf. kann sich der Schüler sein Faktorpräparat auch schon selbst spritzen.

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Zumindest für Kinder, die mit einem Faktorpräparat behandelt werden, gilt: Im Lehrerzimmer sollte – nach Absprache mit den Eltern – auf jeden Fall ein Informationsblatt (Steckbrief des Kindes) sowie im Kühlschrank das Faktorpräparat hinterlegt werden.


Natürlich können auch Kinder mit Hämophilie mit der richtigen Vorbereitung an Klassenfahrten oder an einem Schüleraustausch teilnehmen. Wird das Kind mit einem Faktorpräparat behandelt, gilt: Geht es weiter weg, vielleicht sogar ins Ausland, müssen vorab ein paar Dinge mit den Eltern geklärt werden.

  • Das Kind sollte dazu in der Lage sein, sich selbst zu spritzen.
  • Das Kind sollte ausreichend Faktorpräparat im Gepäck haben. Vor allem bei Flugreisen benötigt das Kind eventuell eine Zollerklärung für seine Medikamente. Darum sollten sich die Eltern bzw. der Patient im Vorfeld kümmern.
  • In jedem Fall sollten die Lehrkräfte die Adresse eines Hämophilie-Zentrums vor Ort von den Eltern erhalten, damit das Kind im Notfall versorgt werden kann.
  • Alle Betreuer sollten über die Hämophilie informiert sein: Das betrifft die Schulleitung, die mitfahrenden Lehrkräfte – aber auch die Austauscheltern sowie gute Freunde unter den Mitschülerinnen und Mitschülern. Alle Betreuer sollten außerdem wissen, was in einem eventuellen Notfall zu tun ist.

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Detaillierte Informationen finden Sie in der informativen Broschüre:

Neben der Faktor VIII-Prophylaxetherapie gibt es weitere Behandlungsoptionen.