Wenn Gelenke und Knochen Substanz verlieren

Mit einiger Wahrscheinlichkeit kennen Sie jemanden in der Familie oder im Freundeskreis, der unter Arthrose oder Osteoporose leidet. Die Häufigkeit dieser Erkrankungen steigt mit dem Alter, ganz unabhängig von der Hämophilie. Die Hämophilie kann aber die sogenannte hämophile Arthrose oder Hämarthrose begünstigen. Gerade bei älteren Hämophilie-Patienten, die noch keine prophylaktische Behandlung wahrnehmen konnten, können Einblutungen in das Gelenk zu Knorpelveränderungen, Gelenkversteifungen sowie zu Gelenkverschleiß (Arthrose) führen. Das ist der Grund, warum Arthrose häufiger bei Menschen mit Hämophilie auftritt. Auch die Wahrscheinlichkeit an Osteoporose zu erkranken, ist bei Hämophilen durch das Blutungsrisiko erhöht.


Arthrose1

Im Gegensatz zur Hämarthrose, der Folge von Gelenkeinblutungen, bezeichnet Arthrose generell einen schmerzhaften Gelenkverschleiß. Sie ist eine altersbedingte Erkrankung und entsteht, wenn der schützende Gelenkknorpel sich abnutzt, bis der Knochen teilweise oder ganz freiliegt und dadurch irreparabel geschädigt wird. Die am häufigsten von Arthrose betroffenen Gelenke sind

  • Knie
  • Hüfte
  • Schulter
  • Wirbelsäule
  • Finger- und Zehengelenke
  • Sprunggelenk

Zu den typischen Anzeichen gehören2

  • Schmerzen bei Belastung oder beim Beginn einer körperlichen Aktivität
  • Verringerte Beweglichkeit
  • Gelenkverdickung
  • Überwärmung und Rötung
  • Dauerschmerz

 

Behandlungsoptionen 

Bisher gibt es keine Arthrose-Behandlung, die einen geschädigten Knorpel wiederherstellen kann. Die Therapie kann also nur die Symptome der Erkrankung lindern. Außerdem soll sie verhindern, dass der Gelenkverschleiß weiter fortschreitet. Denn die Erkrankung hinterlässt mit der Zeit auch in der Nachbarschaft des verschlissenen Gelenks ihre Spuren: Es entstehen Schäden in der Gelenkkapsel, am Knochen und an der Muskulatur.
Prinzipiell umfasst die Arthrose-Behandlung konservative und operative Verfahren. Der behandelnde Arzt wird passend für jeden Patienten die geeigneten Methoden auswählen. Er berücksichtigt dabei unter anderem, welches Gelenk betroffen ist, wie ausgeprägt der Gelenkverschleiß ist und wie stark die Beschwerden sind.

Konservative Behandlungsformen sind z. B. Physiotherapie, Fango, Bäder und Infrarotlicht. Wichtig ist auch regelmäßige Bewegung bzw. sportliche Betätigung. Deshalb empfiehlt Ihr Arzt Ihnen vielleicht Sportarten wie Schwimmen, Wandern oder Radfahren.

Zu den häufigen operativen Verfahren gehört der Gelenkersatz mit einem künstlichen Gelenk, z. B. bei fortgeschrittener Arthrose im Knie- und Hüftbereich. Ob das für Sie als Hämophiler eine Option sein kann, sollte Ihr Team im Hämophilie-Zentrum beurteilen.


Osteoporose3

Osteoporose (Knochenschwund) ist eine Alterserkrankung der Knochen. In Deutschland leiden Millionen Menschen daran, ältere Frauen häufiger. Bei den Betroffenen baut sich die Knochensubstanz verstärkt ab. Dadurch werden die Knochen immer instabiler und können leichter brechen. Hämophile haben durch das erhöhte Blutungsrisiko vermutlich eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Osteoporose zu erkranken.

Die Symptome:

  • Tückisch: Anfangs verspürt man keine Beschwerden, also auch keine Schmerzen
  • Im weiteren Verlauf anhaltende Schmerzen, häufig Rückenschmerzen
  • Knochenbrüche bei Bagatellverletzungen
  • Spontanbrüche ohne erkennbaren Anlass
  • Zunehmender Rundrücken und abnehmende Körpergröße

 

Behandlungsoptionen

Wird die Osteoporose nicht behandelt, schreitet der Knochenschwund immer weiter fort, was zunehmende Schmerzen und gehäufte Knochenbrüche zur Folge hat. Daher sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sehr wichtig.

Möglicherweise wird man Ihnen eine Therapie empfehlen, die auf mehreren Säulen basiert wie zum Beispiel:

  • Regelmäßige Bewegung, z. B in Form von Wandern, Walking, Wassergymnastik oder leichtem Krafttraining
  • Physikalische Therapie, z. B. mit Massagen, Kälte- oder Wärmebehandlungen
  • Gezielte Ernährung bzw. Nahrungsergänzung mit Kalzium- und Vitamin D-Zufuhr
  • Medikamentöse Behandlung zur Hemmung des Knochenabbaus und Förderung des Knochenaufbaus
  • Begleitende Therapie mit Schmerzmitteln

Bitte sprechen Sie auch die Behandlungsmöglichkeiten bei Osteoporose zunächst mit Ihrem Hämophilie-Zentrum ab.

1 Fuchs J et al. Journal of Health Monitoring 2017: 2(3): 55-60
2 Rabenberg M., Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 54, Arthrose; Hrg. RKI, Berlin 2013
3 H. Eichler et al. Älter werden mit Hämophilie, Trias Verlag 2019