Das eigene Kind in fremde Obhut geben

Für die meisten Eltern ist es ein großer Schritt, ihr Kind in die Krabbelstube und damit zum ersten Mal in eine fremde Obhut zu geben. Neben den damit verbundenen Fragen, entstehen bei Eltern von Kindern mit Hämophilie oft zusätzliche Unsicherheiten: Wie wird es dem Kind gehen, wenn es außerhalb des Zuhauses betreut wird? Welche Einrichtung passt zu meinem Kind? Was geschieht, wenn das Kind in der Krabbelstube in eine medizinische Notlage gerät?

Die Experten in Ihrem Hämophilie-Zentrum kennen die Bedenken und häufigsten Fragen beim Eintritt von Kindern mit Hämophilie in die Krabbelstube. Ihr wichtigster Rat an Sie als Eltern lautet: Packen Sie Ihr Kind nicht in Watte, es wird in der Betreuungseinrichtung bestens versorgt! Erzieher kümmern sich stets sehr sorgfältig und gewissenhaft um ihre Schützlinge.

Als Profis im täglichen Umgang mit der Erkrankung Ihres Kindes können aber auch Sie selbst Bedenken reduzieren: Klären Sie Erzieher darüber auf, dass Ihr Kind keine Sonderbehandlung benötigt und dass sie Ihrem Kind keinen Faktor spritzen, sondern diesen nur aufbewahren müssen. Fragen Sie Ihren Arzt im Hämophilie-Zentrum nach Merkblättern, die Sie den Erziehern zur Information geben können.

 


In einer Krabbelstube, in der mehrere Kinder durch die Gegend purzeln, stößt ein Kind sich schnell mal. Das kann natürlich auch zuhause passieren und ist deshalb kein Grund zu vermehrter Sorge. Sprechen Sie bei Bedarf mit dem Hämophilie-Zentrum oder dem behandelnden Arzt darüber, ob es sinnvoll ist, eine Behandlung schon vor dem ersten Geburtstag zu beginnen.

Bei der motorischen Entwicklung jedes Kindes gehören auch Stürze dazu. Um Ihr Kind vor Verletzungen und Blutungen zu schützen, können Sie Hosen und Strumpfhosen mit Polstern versehen. Das Laufenlernen sollte möglichst nicht auf einem harten Untergrund erfolgen, sondern besser auf einem rutschfesten Teppich oder Teppichboden. Wenn Ihr Kind eine Prophylaxe erhält und laufen kann, sind Polsterungen meist nicht mehr nötig.

Ansonsten müssen Eltern und Betreuungspersonen dasselbe tun wie bei gesunden Kindern auch: nämlich darauf achten, dass sich das Kind möglichst nicht weh tut. Es ist also wichtig, das Umfeld kindersicher zu gestalten, beispielsweise mit Kappen für Möbelecken oder Klemmschutz für Schubladen und Türen. Betreuungseinrichtungen für kleine Kinder sind damit immer ausgestattet.


Grundsätzlich gilt: Mit einer regelmäßigen, gut eingestellten Prophylaxe ist Ihr Kind bestmöglich vor Blutungen geschützt. Es ist also kein extra Betreuungsaufwand erforderlich.

Um Unsicherheiten beim Umgang mit der Erkrankung Ihres Kindes vorzubeugen, ermutigen sie das Personal darin, Sie bei Fragen und Ängsten jederzeit anzusprechen. Von diesem Angebot wird in der Anfangszeit sicher häufiger gebraucht gemacht. Geben Sie den Erziehern Zeit.
 

Wichtig zu wissen für Eltern und Betreuer:

Erzieher sind nicht für die Behandlung eines Kindes zuständig. Sie müssen keine Medikamente verabreichen und dürfen keine Injektionen vornehmen. Sie können die Eltern aber unterstützen, indem sie beispielsweise die Lagerung der Medikamente in der Schule organisieren. Auf jeden Fall sollten Erzieher aber darüber informiert sein, dass im Notfall die Eltern und wenn man diese nicht erreichen kann, der Arzt im Hämophilie-Zentrum kontaktiert werden muss.


Keine Sorge: Ihr Kind wird den Einstieg in eine Betreuungseinrichtung ebenso gut verkraften wie jedes andere Kind auch. Vorausgesetzt, Sie können es gut loslassen. Das ist für Eltern chronisch kranker Kinder oft noch etwas schwerer als für Eltern von Kindern ohne Erkrankung. Verständlich, denn für sie bricht eine Zeit voller wechselhafter Gefühle an. Einerseits freuen sie sich auf den neuen Freiraum. Andererseits machen sie sich Sorgen, dass etwas passieren könnte, wenn einmal ein Notfall eintritt. Doch auf solche Fälle kann man Betreuer sehr gut vorbereiten.

Das Loslassen ist sehr wichtig für Ihr Kind. Es ist die Grundvoraussetzung für ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben mit Hämophilie. Ihr Kind lernt, seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und knüpft Freundschaften außerhalb der Familie – gute Gründe dafür, elterliche Ängste und Sorgen zu überwinden.