Zeigen Sie Zähne bei der Mundpflege

Sicherlich wissen Sie aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine gute Zahnpflege bei Hämophilie ist, z. B. zur Vorbeugung von Karies, Zahnfleischerkrankungen und Infektionen. Zahnmedizinische Erkrankungen können zu Blutungen führen, die unter Umständen über Tage anhalten und sich möglicherweise nur schwer kontrollieren lassen.
Allerdings vernachlässigen manche Menschen mit Hämophilie gelegentlich die Mundpflege –  aus Angst vor Blutungen. Leider ist die schlechte Zahnhygiene dann oft mit der Entstehung von ansonsten vermeidbaren Komplikationen verbunden. Eine gute Zahngesundheit kann Ihnen von vorneherein helfen, Zähne und Zahnfleisch gesund zu halten und sich vor Zahnausfall zu schützen.


Gute Zahngesundheit wird erreicht, indem die tägliche Routine durch einige einfache Praktiken ergänzt wird, wie gesunde Ernährung, die Anwendung von Fluorid, gute Zahnhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche. Hier ein paar Tipps, was Sie beachten sollten:

  • Zuckerhaltige Getränke und Fruchtsäfte können zu einer chronischen Zahnerosion führen. Zudem besteht ein enger Zusammenhang zwischen Karies und der Aufnahme von Zucker und bestimmten Kohlenhydraten. Achten Sie deshalb darauf Fruchtsäfte und zuckerhaltige Getränke nur in Maßen zu sich zu nehmen.
  • Sie können außerdem das Risiko für die Entstehung von Karies durch die Anwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta, Mundwasser oder Gelen verhindern. Gute Zahnhygiene umfasst Routinepraktiken zur Entfernung von Zahnbelag, wodurch wiederum die Entstehung von Zahnfleischentzündungen verhindert werden kann.
  • Der Gebrauch von Zahnseide oder Interdentalbürsten ist zusätzlich zum Zähneputzen zu empfehlen. Bei gesundem Zahnfleisch und Anwendung der richtigen Technik kommt es hierbei nicht zu Blutungen.
  • Sollte Zahnfleischbluten ein Problem darstellen, können blutungshemmende Antifibrinolytika wie Tranexamsäure Abhilfe schaffen, die Ihr Arzt Ihnen bei häufigem Zahnfleischbluten verordnen wird. Zudem kann auch die Faktor-Ersatztherapie angewendet werden, um die Blutungen zu stillen10.
    Die World Federation of Hemophilia (WFH) empfiehlt zur Kontrolle von Zahnbelag mindestens zweimal tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Gegen Zahnbelag helfen außerdem der Gebrauch von Interdentalbürsten sowie Mundspülungen mit Triclosan oder Chlorhexidin.

Planen Sie regelmäßige Zahnarztbesuche (alle sechs Monate) in Ihr Vorsorgeprogramm ein, damit Zahnprobleme rechtzeitig erkannt oder vermieden werden.

Jede chirurgische oder umfangreiche Zahnbehandlung erfordert die unmittelbar vorhergehende und meist auch nachfolgende Injektion von Gerinnungsfaktoren, um das Risiko von Blutungen nach dem Eingriff zu senken.

In höherem Alter stellt die Zahngesundheit eine besondere Herausforderung dar. Sie erfordert möglicherweise größeren Aufwand, wie regelmäßige Zahnreinigungen, Prothetik (Brücken, Kronen, Zahnimplantate) sowie Oralchirurgie, d. h. Extraktionen oder chirurgische Eingriffe am Zahnfleisch.

Die Anwendung von Antifibrinolytika und lokal hämostatisch wirkenden Substanzen wie Fibrinkleber (ein chirurgischer Klebstoff) kann je nach Art des Eingriffs und Schwere der Gerinnungsstörung für sich alleine oder als unterstützende Therapie Wirkung zeigen.

Häufig werden lokale chirurgische Strategien, beispielsweise das Nähen von Wunden, angewendet, um eine adäquate Blutstillung zu erreichen. Das klinische Hämophilie-Team wird Ihnen hinsichtlich der Intensität und Dauer beratend zur Seite stehen.

Fall Sie unter Zahnschmerzen leiden sollten, lassen sich diese normalerweise mit leichten Analgetika, wie Paracetamol, oder stärkeren Schmerzmitteln, wie Metamizol, bekämpfen.

Andere für das Schmerzmanagement geeignete Medikamente, wie nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID), können infrage kommen. Sprechen Sie jedoch ihre Anwendung vorab mit einem Spezialisten für Hämophilie ab, da diese Arzneimittelklasse mit einem höheren Blutungsrisiko verbunden ist.

Für die Lokalanästhesie während des Eingriffs stehen den Ärzten verschiedene Optionen zur Verfügung. Besprechen Sie jeden Eingriff vorher mit Ihrem Hämophiliearzt.

Invasive Verfahren, wie chirurgische Eingriffe sollten bei Hämophilen wegen des erhöhten Blutungsrisikos stets gründlich abgewogen und geplant werden. Wird beispielsweise keine sorgfältige hämostatische (blutstillende) Therapie durchgeführt, ist die Parodontalchirurgie bei hämophilen Patienten mit einem hohen Risiko für erhebliche Blutverluste behaftet und sollte nur in Betracht kommen, wenn die konservative Behandlung mit medikamentösen oder physikalischen Mitteln nicht ausreicht.

Unkontrollierte Blutungen im Mundbereich können einen schweren Verlauf nehmen. Neben Blutungskomplikationen können Zahnprobleme gelegentlich zu Mundinfektionen durch Bakterien führen, die über das geschädigte Gewebe in den Körper eindringen. Zur Behandlung oraler Infektionen kommen häufig Antibiotika zum Einsatz. Lokale Therapien stehen in Form von Mundspülungen zur Verfügung und werden normalerweise angewendet, um den Mund und die Zahnfleischtaschen zur Behandlung parodontaler Beschwerden zu spülen.

Nicht zuletzt leiden viele ältere Personen mit Hämophilie unter chronischen Infektionen mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) oder dem humanen Immundefizienzvirus (HIV). Beide Infektionen können zahnmedizinische Komplikationen fördern, wie Pilzinfektionen (Candida) in der Mundhöhle. Vermehrte Blutungen, Probleme im Zusammenhang mit Leberkrankheiten und mit Thrombozytopenie (verminderte Zahl von Blutplättchen) erschweren allesamt die Behandlungen von Patienten mit HCV.

Es ist besonders wichtig, dass Sie bei Zahnproblemen eng mit dem Hämophilie-Behandlungsteam und dem Zahnarzt zusammenarbeiten. So kann ein Zahnproblem vor, während und nach einem Eingriff optimal behandelt werden.

Leider treten trotz bester Pflege manchmal Komplikationen auf, die einen chirurgischen Eingriff im Mund erforderlich machen. Bei Menschen mit Hämophilie können infolge der Oralchirurgie starke Blutungen und  Mundinfektionen auftreten. Darüber hinaus sind viele, auch minimalinvasive zahnärztliche Routineverfahren, mit zusätzlichen Blutungskomplikationen verbunden.

Zur Vermeidung dieser Blutungen stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Dabei können Antifibrinolytika, wie Tranexamsäure, zum Einsatz kommen. In einigen Hämophilie-Zentren wird Fibrinkleber lokal angewendet, um die Gerinnung zu fördern und den Bedarf an Faktor-Ersatz zu verringern.

Nach invasiven Verfahren kann zusätzliches Faktor-Konzentrat verabreicht werden, wenn nachträgliche Blutungen auftreten. Die Blutungsstelle sollte sorgfältig auf offensichtliche Zeichen für Risse oder Verletzungen hin untersucht werden, um diese lokal zu behandeln.

Die Behandlung von Blutungen im Mund infolge oralchirurgischer oder anderer zahnärztlicher Eingriffe ist im Voraus planbar. Doch können Unfälle, die die Mundhöhle betreffen, auch zu Blutungen führen, bei denen eine Vorausplanung nicht möglich ist.

Bei Zahnverletzungen durch Unfälle (Zahntrauma) sollten die Schädigungen des Zahnfleisches und der Zähne durch lokale Maßnahmen, wie vorübergehendes Schienen gebrochener oder lockerer Zähne, behandelt werden. Meist ist eine umgehende Substitution des Gerinnungsfaktors erforderlich. Blutungen im Mund können zu Infektionen des Zahnfleischs führen, die oft eine antibiotische Behandlung erforderlich machen.

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Letzte Änderung: 04. Oktober 2017   Seite drucken