So bleiben Sie frei und unabhängig

Die Möglichkeit der Heimselbstbehandlung durch die breite Verfügbarkeit von Faktor-Konzentraten stellte einen Meilenstein in der Geschichte der Hämophilie-Behandlung dar. Sie hat den Vorteil, dass für die Substitution der Konzentrate kein Krankenhaus oder Hämophilie-Behandlungszentrum mehr aufgesucht werden muss.

Mit zunehmendem Alter wird die Heimselbstbehandlung aufgrund von Langzeitfolgen und krankheitsbedingten Einschränkungen jedoch zur Herausforderung. Mit dem richtigen Know-how können Sie sich aber lange Ihre Unabhängigkeit bewahren.


Eine der Langzeitfolgen von Blutgerinnungsstörungen ist das Fortschreiten von Gelenkerkrankungen in unterschiedlich starkem Maß. Viele ältere Patienten – vielleicht ja auch Sie – konnten leider noch nicht von einer frühzeitigen Behandlung profitieren.

Bei schwerer Hämophilie sind dann häufig die Ellenbogengelenke von den Folgen der Krankheit betroffen. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in diesem Gelenk können die Anwendung eines Infusionsbestecks oder die Vorbereitung des Faktor-Konzentrats erschweren. Bei fortgeschrittener Arthrose sind unter Umständen auch die Hauptnerven des Unterarms geschädigt. Die dadurch bedingte Gefühls- und Koordinationsstörung kann eine Selbstinfusion ebenfalls erschweren. Nicht zuletzt können andere Krankheiten, wie Diabetes mellitus und HIV-Infektionen, eine Schädigung der Nerven nach sich ziehen und damit der Selbstbehandlung im Weg stehen.

Zudem können altersbedingte Bewegungsstörungen die Geschicklichkeit beeinträchtigen. Oder das im Alter allgemein verminderte Sehvermögen kann dazu führen, dass die Venen für die Injektion schlechter erkannt werden.

Im Laufe der Zeit kann der Umgang mit Spritzen und Nadeln zur Bildung von Narbengewebe führen. Zwar trägt die Narbenbildung hin und wieder dazu bei, dass der Einstich in die Vene weniger schmerzhaft ausfällt, die Venen stärker hervortreten und somit leichter zu finden sind. Dennoch haben Patienten und ihre Betreuer wegen des Narbengewebes in vielen Fällen Schwierigkeiten, die Vene zu finden.

Selbstinjektion lässt sich auch spät erlernen

Falls Sie bislang die Injektion des Faktor-Konzentrats nicht selbst durchgeführt haben, ist dies kein Problem – auch im Alter lässt sich die Selbstinjektion noch erlernen. Besonders gut geht das mit einem Trainingsset, mit dem Sie „trocken“ üben können. Das heißt, Sie trainieren die Injektion ohne sich dabei wirklich zu stechen. Ein solches Trainingsset ist in Ihrem Hämophilie-Zentrum erhältlich – fragen Sie einfach danach!

 

Mit dem Trainingsset BayCuff von Bayer lässt sich die Selbstinjektion ganz schmerzfrei üben

Bei all den möglichen Problemen ist es gut zu wissen, dass inzwischen verschiedene Techniken entwickelt wurden, um die Selbstinjektion und den Venenzugang zu verbessern.

Die gelösten Gerinnungsfaktoren weisen heute – im Gegensatz zu den früher verwendeten Faktor-Präparaten – eine wasserähnliche Konsistenz auf und sind daher leichter zu spritzen. Die Verwendung von kleineren Nadeln, z. B. 25-Gauge-Injektionskanülen, ist sehr wichtig. Diese sind angenehmer zu benutzen und bedingen gleichzeitig ein langsameres Spritzen.

Sollten dennoch Probleme bei der Selbstinjektion auftreten, besprechen Sie diese bitte unbedingt in Ihrem Behandlungszentrum. Dort wird man Ihnen Strategien und Hilfestellungen für die Selbstinjektion aufzeigen.

So finden Sie Hilfe

In jedem Fall ist es sinnvoll, sich bei Fragen oder Problemen mit der Heimselbstbehandlung vertrauensvoll an Ihr behandelndes Team zu wenden. Suchen Sie das Gespräch, um Lösungen für Ihre Probleme im Zusammenhang mit der häuslichen Selbstinfusion zu finden.

Folgende Fragen können im Gespräch mit dem Behandlungsteam sinnvoll sein:

  • Zu welcher Tageszeit sollte die Infusion durchgeführt werden?
  • Welche Infusionstechnik ist für mich die richtige?
  • Gibt es die Möglichkeit der Schulung meiner Angehörigen, damit diese mich bei der Infusion unterstützen können?
Checklisten für Ihr Arztgespräch

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Letzte Änderung: 04. Oktober 2017   Seite drucken